{"id":347,"date":"2013-08-25T22:16:15","date_gmt":"2013-08-25T20:16:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.krackruegge.de\/?p=347"},"modified":"2013-08-25T22:16:29","modified_gmt":"2013-08-25T20:16:29","slug":"auf-kaperfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.krackruegge.de\/?p=347","title":{"rendered":"Auf Kaperfahrt"},"content":{"rendered":"<p>Wer meint, dass die Fahrt quer durch D\u00e4nemark und Deutschland nach so einem Urlaub nur noch ein l\u00e4stiger Abschluss sei, der irrt. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es auf der Autobahn zwei Geschwindigkeitsbereiche gibt in denen eigene Regeln gelten und in denen auch eigene Geschichten geschrieben werden. Einmal gibt es den Bereich \u00fcber 230 km\/h und dann den Bereich unter 100 km\/h, dazwischen ist Alltag. Wir haben uns, f\u00fcr alle die sich das jetzt fragen, in dem Bereich unter 100 km\/h befunden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich verlasse das Schiff und muss ein St\u00fcck fahren bis ich Sandra aufsammeln kann. Das Terminal wird gerade umgebaut und ist f\u00fcr die \u201ezu Fu\u00df Geher\u201c nicht ideal, weshalb Sandra mit dem Gep\u00e4ck ein gutes St\u00fcck laufen musste. Auf der Autobahn setzen wir uns in den Windschatten eines LKW\u00b4s der einen Container von der F\u00e4hre geladen hat. F\u00fcr die n\u00e4chsten Stunden haben wir also das Logo von Blue Water Smyril vor uns. Immer wieder \u00fcberholen uns andere Fahrzeuge vom Schiff und man winkt und gr\u00fc\u00dft sich.<\/p>\n<p>Wir machen eine Mittagspause, um 16:00 Uhr, und vertreten uns kurz die Beine. Da die Sonne scheint und es in der Fahrerkabine relativ warm ist, verladen wir unsere Eink\u00e4ufe in den K\u00fchlschrank, die Schokolade soll ja nicht schmelzen. W\u00e4hrend unserer Pause f\u00e4hrt ein neuer Iveco Daily 4&#215;4 an uns vorbei, wir kennen das Fahrzeug von der F\u00e4hre und es wird in diesem Bericht noch eine tragende Rolle spielen. Wieder auf Achse fehlt uns ein Windschatten \u2013 LKW. Wer ist eigentlich f\u00fcr das Wochenendfahrverbot verantwortlich? Da D\u00e4nemark ja nicht zu den wind\u00e4rmsten Regionen der Welt geh\u00f6rt, w\u00e4re so ein LKW schon n\u00fctzlich. Als dann im R\u00fcckspiegel ein roter Punkt immer Gr\u00f6\u00dfer wird freue ich mich. Als der rote Punkt dann vor uns immer kleiner wird, muss ich eingestehen, dass der LKW einfach zu schnell f\u00fcr uns war.<\/p>\n<p>In Deutschland kommen wir gut durch die Baustelle auf der Br\u00fccke \u00fcber den Nord- Ostsee-Kanal. Kurz hinter Kiel \u00fcberholt uns wieder der besagte Iveco, der scheinbar irgendwo auch eine Pause gemacht hat. Dann taucht wieder ein roter Punkt im R\u00fcckspiegel auf und wird schnell gr\u00f6\u00dfer. Um die Faszination des Folgenden zu verstehen, muss ich wohl etwas ausholen. Der Bremach f\u00e4hrt bei optimalen Bedingungen, bergab und R\u00fcckenwind, etwas \u00fcber 110 km\/h, im Normalfall maximal 100 km\/h und bei Gegenwind nicht schneller wie 90 km\/h eher langsamer. Soweit die Ausgangssituation. Ein normaler LKW f\u00e4hrt GPS gemessen zwischen 86 \u2013 88 km\/h, also ein Geschwindigkeitsbereich in dem der Bremach sich wohl f\u00fchlt und man auch mal eine kleinere L\u00fccke wieder zufahren kann. Der niederl\u00e4ndische LKW der uns schonmal weggefahren ist, f\u00e4hrt h\u00f6chst illegal im Bereich von 93 \u2013 96 km\/h. Wenn wir im Windschatten sind, k\u00f6nnen wir, auch trotz Gegenwind, das Tempo gut mitgehen, verlieren wir den Windschatten, weil ein Berg zu steil ist oder ich den Abstand zu gro\u00df werden lasse, ist der LKW auf nimmer Wiedersehen verschwunden.<\/p>\n<p>Man kann das vergleichen mit einem Zugraub im wilden Westen. Wir m\u00fcssen mit unserem Pferd den Moment abpassen, indem der Zug langsamer wird, um uns dann daneben zu setzten und aufzuspringen. Und diesmal klappt es. Wir sind im Windschatten und werden Richtung Hamburg gezogen. Zu meiner \u00dcberraschung ist sogar Sandra vom dem Man\u00f6ver begeistert und wir freuen uns beide. Der schnelle LKW biegt leider irgendwann ab und wir sind wieder alleine. Alleine? Nein, am Horizont erkennen wir den franz\u00f6sischen Iveco. Zur Erkl\u00e4rung, der Iveco ist ein \u00e4hnliches Fahrzeug wie der Bremach nur hat dieses Exemplar bestimmt 350.000 \u20ac gekostet, ist keine zwei Jahre alt, hat 50 PS mehr, muss daf\u00fcr aber auch bestimmt 1,5 Tonnen mehr Gewicht mit sich rumtragen.<\/p>\n<p>Langsam wird es Abend und wir behalten den Iveco im Blick. Die k\u00fchle Abendluft erreicht die Sauerstoffs\u00e4ttigung, die ein Ingenieur in Varese als optimal f\u00fcr den Motor des Bremachs erachtet hat und wir hissen unsere Totenkopfflagge. Wir gehen auf Kaperfahrt und unsere Beute ist ein franz\u00f6sischer Iveco. Mit leichtem Geschwindigkeits\u00fcberschuss brauchen wir bis zum Elbtunnel, um den Iveco zu stellen. Bei den Piraten ging das fr\u00fcher auch nicht von jetzt auf gleich. In den H\u00fcgeln hinter Hamburg ist es dann soweit und wir setzen zum \u00dcberholen an. Mittlerweile ist es so dunkel, dass wir die Gesichter im Iveco nicht mehr richtig sehen k\u00f6nnen, zufrieden muss aber anders aussehen. Kurz nachdem wir vorbei sind, verschwindet der Iveco ganz aus unserem R\u00fcckspiegel, vermutlich konnte der Fahrer die Schmach nicht ertragen. Waterloo und die H\u00fcgel hinter Hamburg werden ab jetzt immer f\u00fcr zwei bittere Niederlagen Frankreichs stehen.<\/p>\n<p>Wir fahren bei bester Laune und lauter Musik weiter bis nach Berenbostel. Die G\u00e4sterunde von Petras Geburtstag hat sich schon stark geleert als wir um kurz vor 23:00 Uhr dort eintreffen. Auf der Terrasse wird bei einem Bier noch gekl\u00f6nt bis wir geschafft ins Bett fallen. Wir stehen relativ zeitig zum Fr\u00fchst\u00fccken auf, steht doch noch die letzte Etappe nach Ippinghausen auf dem Programm und dort muss dann ausgeladen werden. \u00dcber die A2, A33 und A44 geht es vorbei an Bielefeld und Paderborn in Richtung Kassel.\u00a0 In Wolfhagen tanken wir voll und stoppen dann in Ippinghausen nochmal in der Waldecker Stra\u00dfe. Wir haben auf Island zwei Fahnen f\u00fcr die Fenster und eine gro\u00dfe f\u00fcr den K\u00fchlergrill gekauft, mit diesen schm\u00fccken wir jetzt den Bremach. Als wir um die letzte Kurve gebogen sind, sehen wir vor meinem Elternhaus ein gro\u00dfes Banner quer \u00fcber die Stra\u00dfe h\u00e4ngen und Elmar, Christoph, Ramona, Nils und Hannah bereiten uns einen tollen Empfang, Sektdusche inklusive.<\/p>\n<p>Alle erz\u00e4hlen, zeigen, staunen und freuen sich. Nach Kaffee und Kuchen geht es dann ans Ausladen, Wegr\u00e4umen und Sch\u00e4den begutachten. Der Bremach hat die letzten Wochen drei Familien auf weit \u00fcber 10.000 km auf Island begleitet und alles ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den mitgemacht. Super!!! Geschafft aber gl\u00fccklich machen wir uns, inkl. eines kleinen Zwischenstopps in Ehlen bei Ina und Dieter, auf den Weg nach Hause. Ich muss morgen wieder an die Arbeit und bin Sandra unendlich dankbar, die hier schon das Chaos b\u00e4ndigen wird. Wenn es etwas ruhiger ist und wir alle Quittungen und Zettel mit Kilometerst\u00e4nden und Litermengen gesichtet und sortiert haben, werden wir hier nochmal einen Beitrag mit unseren genauen Reisedaten und einem abschlie\u00dfenden Fazit ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer meint, dass die Fahrt quer durch D\u00e4nemark und Deutschland nach so einem Urlaub nur noch ein l\u00e4stiger Abschluss sei, der irrt. 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